I.) Erkennen von (Hoch-) Begabung
Begabtenförderung ist eine zentrale Aufgabe von Schule und Unterricht. Im Sinne des Orientierungsrahmens
des Landes Baden-Württemberg wird sie sowohl als Breitenförderung für alle Schülerinnen und Schüler, als auch
als Spitzenförderung für besonders leistungsstarke und hochbegabte Kinder verstanden und entsprechend geplant.
Vor diesem Hintergrund stellt sich zunächst die Frage, woran sich (Hoch-) Begabung erkennen lässt.
- Eine mögliche Hochbegabung zeigt sich v.a. in der Grundschule nicht immer durch sehr gute schulische Leistungen. Häufig
fallen Kinder vielmehr durch auffällige Denk- und Verhaltensmuster auf, z.B. durch schnelles Erfassen, ungewöhnliche
Lösungswege oder intensives Interesse an bestimmten Themen.
- Ein strukturierter Beobachtungsbogen kann helfen, solche Hinweise systematisch wahrzunehmen und zu reflektieren, bevor über eine
gezielte Förderung oder eine weiterführende Abklärung entschieden wird.
- Ein entsprechender Beobachtungsbogen ist im Schulzugang des Hector Kinderakademie Verwaltungsprogramms abrufbar.
- Wichtig ist jedoch: Kein Beobachtungsbogen kann alle Formen von Begabung erfassen. Begabungen entwickeln sich
unterschiedlich schnell, in verschiedenen Bereichen und zu unterschiedlichen Zeitpunkten. Manche Kinder zeigen ihr Potenzial früh,
andere erste später oder nur in bestimmten Kontexten. Zudem können manche Merkmale übersehen oder fehlinterpretiert
werden.
- Deshalb sollten Beobachtungsbögen immer als ein Baustein unter mehreren verstanden werden – ergänzt durch pädagogische Beobachtungen, Gespräche mit Eltern und ggf. eine schulpsychologische Beratung.
Begabung ist ein Spektrum
- Jeder Mensch hat Begabungen – aber in unterschiedlicher Ausprägung. Begabungen können sich in unterschiedlichen
Bereichen (z.B. sprachlich, mathematisch, kreativ, sozial) und zu unterschiedlichen Zeitpunkten zeigen. Manche Kinder zeigen ihr Potenzial
früh, andere erst später oder nur in bestimmten Kontexten. Sehr gute schulische Leistungen sind kein zwingendes Merkmal von
Hochbegabung; umgekehrt schließen durchschnittliche oder schwankende Leistungen eine hohe Begabung nicht aus.
- Begabung = Potenzial
- Leistung = tatsächlich gezeigtes Können
| Merkmal | Begabt | Hochbegabt |
| Definition | überdurchschnittliche Fähigkeiten (ca. oberste 10–15%) | außergewöhnlich hohe Fähigkeiten (oberste ca. 2% im IQ) |
| Leistungsfähigkeit | schnelleres Erfassen, gute schulische Leistungen | sehr schnelles Denken, komplexe Zusammenhänge, oft kreative Lösungswege |
| Lernverhalten | meist fleißig, lernfreudig, zuverlässig | oft sehr selbstständig, stellt Fragen, hinterfragt Zusammenhänge und Autoritäten |
| Soziales Verhalten | meist gut angepasst | teils sozial sensibel, teils aneckend oder „anders“ |
| Förderbedarf | Anregung und Differenzierung | gezielte, individuelle Förderung |
| IQ-Bereich (Richtwert) |
ca. 115–129 IQ-Richtwerte können Hinweise auf besondere kognitive Fähigkeiten geben, |
ab ca. 130 sind jedoch kein alleiniges Kriterium für (Hoch-) Begabung. |
- Die genannten Merkmale stellen keine Checkliste oder Diagnose dar. Sie müssen nicht alle gleichzeitig oder dauerhaft auftreten und dienen der Orientierung und Beobachtung. Begabung zeigt sich in unterschiedlichen Bereichen und Entwicklungsverläufen und kann nicht ausschließlich über IQ-Werte bestimmt werden. Sie stellen keine Checkliste und keine Diagnose dar.
Intelligenzquotient
- In der Forschung gilt oft: IQ 100 = Durchschnitt
- IQ ab 115 = überdurchschnittlich (begabt)
- IQ ab 130 = hochbegabt
- Aber: Der IQ ist nicht alles! Er beschreibt nur einen Teil der kognitiven Begabung – nicht Kreativität, Motivation, soziale Kompetenz oder emotionale Intelligenz.
II. Beratung und Unterstützung
Wenn Eltern oder Lehrkräfte eine besondere Begabung vermuten oder Beratungsbedarf haben, gibt es verschiedene Anlaufstellen - je nach
Fragestellung. Diese können erste Beobachtungen einordnen und weitere Schritte abstimmen.
Hinweis: Nicht jede Vermutung erfordert sofort eine Testung. Oft ist ein klärendes Beratungsgespräch der erste
sinnvolle Schritt.
1. Innerhalb der Schule:
- Klassenlehrkraft
- Beratungslehrkraft
- Schulleitung
- Schulsozialarbeit
2. Schulpsychologische Beratung:
- Sie unterstützen bei schulbezogenen Fragestellungen, bei Unsicherheiten zur Schullaufbahn sowie bei Bedarf an
weiterführender Diagnostik.
- Schulpsychologische Beratungsstelle Backnang
3. Spezialisierte Beratungsangebote:
- Beratungsstelle des Landesgymnasiums für Hochbegabte in
Schwäbisch Gmünd
- Akademieleitungen der Hector Kinderakademien (für Kinder im Förderprogramm)
4. Externe Informations- und Beratungsstellen:
- Gesellschaft für das hochbegabte Kind (DGhK)
- Hector Kinderakademien – Kurse und Projekte zur Begabungsförderung
- Schulpsychologische Beratungsstelle – schulbezogene Beratung und Orientierung
- Beratungsstelle Landesgymnasium für Hochbegabte Schwäbisch Gmünd – spezialisiertes Beratungsangebot
- Jugendzentren, Bibliotheken, Projektwerkstätten - ergänzende Lernräume
- ZSL – Fachberatung für Lehrkräfte und Schulentwicklung
III. Diagnostik und Testung
Testungen sollten nicht aus Neugier erfolgen, sondern dann, wenn sie dazu beiträgt, passende Förder- oder
Unterstützungsmaßnahmen abzuleiten.
- Eine Testung auf besondere Begabung ist in der Regel ab dem Vorschulalter sinnvoll, wenn konkrete Fragestellungen oder Beobachtungen
vorliegen. Allerdings sollten in diesem Lebensalter die Testergebnisse hinsichtlich ihrer langfristigen Aussagekraft zurückhaltend
bewertet werden – verstanden als Feststellung des aktuellen kognitiven Entwicklungsstands.
- Im Grundschulalter werden Testungen stabiler, aber auch hier stellen die Testergebnisse immer eine Momentaufnahme dar und sollten in
Zusammenhang mit der weiteren Entwicklung des Kindes betrachtet werden.
- Eine hohe Intelligenz kann in jungem Alter ein Entwicklungsvorsprung sein. Daher bleibt eine fortlaufende Beobachtung im Alltag und im schulischen Umfeld zentral. Begabungsdiagnostik wird somit zum Prozess.
- Ob und wo eine kognitive Begabung im Allgemeinen bzw. eine mögliche Hochbegabung im Besonderen abgeklärt wird, hängt vom Ziel der Fragestellung ab. Erst wenn klar ist, wofür die Einschätzung benötigt wird, lässt sich die passende Anlaufstelle auswählen.
1. Es geht vor allem um Schule und Förderung (z.B. Ist mein Kind über-/unterfordert? Ist ein Überspringen oder eine andere Schullaufbahn sinnvoll?):
-
- schulpsychologische Beratungsstelle
- Beratungsstellen mit Schwerpunkt Begabung/Hochbegabung z.B. Kompetenzzentrum des Landesgymnasiums für Hochbegabte
in Schwäbisch Gmünd
- niedergelassene PsychologInnen mit Erfahrung in Begabungsdiagnostik
- schulpsychologische Beratungsstelle
- Mitunter kann eine überdurchschnittliche kognitive Begabung auch in anderen Fragestellungen festgestellt werden.
2. Es gibt zusätzlich Verhaltensauffälligkeiten oder emotionale Probleme, wie Leistungsprobleme, trotz
vermuteter hoher Begabung, soziale oder emotionale Auffälligkeiten:
-
- Schulpsychologische Beratungsstelle
3. Es stehen medizinisch-psychologische Fragestellungen im Raum, wie Verdacht auf ADHS oder Autismus, ausgeprägte psychische Belastung:
-
- Kinder- und jugendpsychiatrische oder psychotherapeutische Praxen (Begabung wird dort meist im Rahmen einer umfassenden Diagnostik berücksichtigt.)
IV. Schule und Unterricht
Im Folgenden finden Sie einige Informationen, die für das Unterrichten von (Hoch-) Begabten hilfreich und unterstützend sein können.
Der Orientierungsrahmen Begabtenförderung beschreibt, dass Förderung nicht nur einzelner Schüler, sondern als Breiten- und Spitzenförderung verstanden und geplant wird.
a) Integrierte Fördermaßnahmen im Regelunterricht
- Diese Maßnahmen sind Teil der Unterrichtsentwicklung und setzen an den individuellen Lernbedarfen an. Dazu gehören z.B.
- Adaptiver Unterricht & Binnendifferenzierung – Aufgaben auf verschiedenen Niveaus
- Curriculum Compacting – Stoffverdichtung, damit die Zeit für Vertiefung bleibt
- Enrichment-Ansätze im Unterricht – fachliche Vertiefung oder neue Perspektiven
- Adaptiver Unterricht & Binnendifferenzierung – Aufgaben auf verschiedenen Niveaus
b) Akzeleration
- Bei Akzeleration handelt es sich um beschleunigte Lernwege, z.B.:
- Drehtürmodell (flexible Teilnahme an ergänzenden Lernangeboten innerhalb oder außerhalb der Klasse)
- Teilnahme am Unterricht der höheren Klasse in bestimmten Fächern
- Teilüberspringen
- Überspringen von Klassen
- Vorzeitige Einschulung
- Drehtürmodell (flexible Teilnahme an ergänzenden Lernangeboten innerhalb oder außerhalb der Klasse)
- Solche Maßnahmen werden im Rahmen der Förderstrategie eingebettet, wenn sie zur Entwicklung eines Kindes passen.
c) Gruppierungs- und spezielle Förderangebote
- Hochbegabtenklassen an Gymnasien
- Landesgymnasium für Hochbegabte
- ggf. jahrgangsübergreifende Enrichment-Gruppen oder Spezialkurse
d) Außerschulische und ergänzende Angebote
- Ergänzend zur schulischen Förderung können Kinder teilnehmen an:
- Schülerakademien, Wettbewerben oder Seminaren
- außerschulischen Workshops oder Programmen
- Projekttagen, camps oder Kursen. (Die Angebote zum Rahmenkonzept „Starke Spitze!“ können über die Homepage des ZSL abgerufen werden.)
- Schülerakademien, Wettbewerben oder Seminaren
- Begabtenförderung ist nicht als externes Extraprogramm, sondern als Bestandteil guten Unterrichts gedacht.
Zentrale Prinzipien für den Unterricht:
a) Fördern im Alltag statt Zusatzprogramme
- Begabtenförderung gelingt besonders gut, wenn sie in den regulären Unterricht integriert wird – also
dort, wo Kinder ohnehin lernen.
- Dazu gehört:
- Adaptiver Unterricht: Aufgaben und Hinweise, die an die verschiedenen Lernniveaus angepasst sind. Dabei sollen
SchülerInnen mehr Tiefe, nicht mehr Menge bekommen.
- Diffferenzierung nach Lernbedarf – z.B. Aufgaben mit Wahlmöglichkeiten
- Vertiefung statt Quantität – mehr Zeit für Denken, weniger für Routineübungen
- Adaptiver Unterricht: Aufgaben und Hinweise, die an die verschiedenen Lernniveaus angepasst sind. Dabei sollen
SchülerInnen mehr Tiefe, nicht mehr Menge bekommen.
- Das bedeutet: Die Kinder arbeiten nicht länger, sondern anders und auf ihrem Niveau.
b) Praktische, alltagsnahe Förderbausteine
- Diese Bausteine erfordern keinen hohen Zusatzaufwand, sondern strukturieren und nutzen vorhandene Unterrichtszeiten:
- Compacting - Kinder, die Inhalte sicher beherrschen, können Aufgaben überspringen und stattdessen
vertiefen.
- Offene Aufgabenstellungen/ Projektphasen – erlauben individuelle Vertiefung und kreatives Denken
- Forschertage/ „Ich-frag-mich-Stunde“ – Zeit für eigene Fragen und Interesse
- Lernverträge / Expertenaufträge – zeitlich begrenzte individuelle Lernprojekte
- Peer-Learning & Präsentation – Lernende erklären Inhalte für andere
- Compacting - Kinder, die Inhalte sicher beherrschen, können Aufgaben überspringen und stattdessen
vertiefen.
- Eine diagnostizierte Hochbegabung sollte bei der Schullaufbahnempfehlung berücksichtigt werden – sie darf
jedoch nicht allein entscheidend sein.
- Hochbegabung beschreibt in erster Linie ein hohes kognitives Potenzial. Sie sagt jedoch nichts Verlässliches
über andere wichtige Faktoren schulischen Erfolgs aus, zum Beispiel:
- Arbeitshaltung
- Motivation
- Konzentrationsfähigkeit
- emotionale Stabilität
- soziale Reife
- Arbeitshaltung
- Hochbegabung bedeutet daher nicht automatische eine Gymnasialempfehlung.
- Eine Schullaufbahnempfehlung soll aufzeigen, wo ein Kind aktuell die besten Lernbedingungen vorfindet – fachlich, sozial und
emotional. Entscheidend ist die Passung zwischen Anforderungen der Schulform und dem Entwicklungsstand des Kindes.
- Die zentrale Frage lautet: „Welche Schulform bietet im Moment die besten Bedingungen für eine positive Lern- und
Persönlichkeitsentwicklung dieses Kindes?
- In Einzelfällen kann ein hochbegabtes Kind kognitiv sehr weit entwickelt sein, aber in anderen Bereichen noch Unterstützung
benötigen. Dann kann zunächst eine andere Schulform passend sein, ohne dass damit langfristige Entwicklungsmöglichkeiten
eingeschränkt werden.
- Umgekehrt können auch spezielle Förderangebote – wie Hochbegabtenzüge oder besondere Profile an Gymnasien – in Betracht kommen, wenn sie zur Gesamtsituation des Kindes passen.
V. Verhalten, Emotionen und soziale Entwicklung
Wichtig: Hochbegabung ist nicht per se mit Verhaltensauffälligkeiten verbunden. Hochbegabte Kinder zeigen im Durchschnitt nicht häufiger soziale oder emotionale Auffälligkeiten als Gleichaltrige. Auffälligkeiten können im Einzelfall auftreten, sind jedoch nicht typisch für Hochbegabung.
- Kinder mit hoher kognitiver Begabung und gleichzeitig Lern- oder Konzentrationsschwierigkeiten können ein sogenanntes
diskrepantes Begabungsprofil aufweisen: Sie verfügen über ein deutliches kognitives Potenzial, können es im
schulischen Alltag jedoch nicht konstant abrufen.
- In seltenen Fällen liegt eine Doppelbesonderheit („Twice Exceptional“) vor.
- Das bedeutet: Ein Kind ist hochbegabt und zugleich durch eine weitere Besonderheit oder Beeinträchtigung geprägt, z.B. durch
ADHS, Lese-Rechtschreibschwierigkeiten, Autismus-Spektrum, motorische oder emotionale Belastung.
- Mögliche Hinweise können sein:
- große Ideenvielfalt, aber Schwierigkeiten in der strukturierten Umsetzung
- schnelles Verständnis, aber schwache oder unvollständige Arbeitsergebnisse
- Frustration, Selbstzweifel, Rückzug oder auch störendes Verhalten
- große Ideenvielfalt, aber Schwierigkeiten in der strukturierten Umsetzung
- Wichtig: Diese Kinder brauchen sowohl eine Förderung ihrer Begabung, als auch Unterstützung im Umgang mit
Schwierigkeiten – nicht das eine statt des anderen. Lehrkräfte und Eltern sind gefordert, beides im Blick zu behalten:
das Potenzial und die Hürden.
- Ziel ist es, dem Kind zu helfen, seine Stärken zu nutzen und gleichzeitig Strategien im Umgang mit seinen Herausforderungen zu entwickeln.
- Ein Kind ist nachweislich hochbegabt, zeigt aber keine entsprechenden Leistungen. Man spricht hier von „Underachievement“ (Leistungsunterforderung).
- Underachievement ist kein Persönlichkeitsmerkmal, sondern beschreibt eine Diskrepanz zwischen Potenzial und gezeigter Leistung. Diese Kinder verfügen über ein hohes Potenzial, können es jedoch nicht in Leistung umsetzen. Das hat immer Ursachen, die verstanden werden müssen, bevor Fördermaßnahmen greifen können.
Zunächst klären: Warum bleibt die Leistung hinter der Begabung
zurück?
- Hochbegabung führt nicht automatisch zu schulischem Erfolg.
- Mögliche Ursachen können sein:
- Unterforderung
- Fehlende Lern- und Arbeitsstrategien
- Perfektionismus oder Versagensangst
- Motivationsprobleme
- emotionale / soziale Probleme in Schule oder Familie
- Teilleistungsstörungen
- Unterforderung
- Eine sorgfältige Analyse ist entscheidend.
Pädagogische Ziele:
- Im Vordergrund stehen:
- Motivation und Selbstvertrauen stärken
- Wertschätzung für vorhandene Fähigkeiten zeigen
- Rückmeldungen auf Anstrengung uns Lernprozess beziehen - nicht nur auf Ergebnisse
- Motivation und Selbstvertrauen stärken
Unterrichtliche und unterstützende Maßnahmen:
- Differenzierte Aufgaben und Wahlmöglichkeiten
- Offene Aufgabenformate und Eigenverantwortung
- Lernverträge oder Wochenpläne
- Klare Struktur und transparente Lernziele
- Selbststeuerung und Lernstrategien gezielt trainieren
- Interessen des Kindes aufgreifen
- Bei Bedarf externe Unterstützung (Schulpsychologischer Dienst, Beratungsstellen für Hochbegabung, Therapeutische Begleitung)
Wichtig:
- Das Ziel ist nicht, das Kind „endlich auf sein Niveau zu bringen“, sondern es wieder in Kontakt mit seinem
eigenen Lernen zu führen.
- Entwicklung braucht Zeit, emotionale Stabilität und gelingende Lernerfahrungen.
- Ziel ist es, Unterschiedlichkeit als Normalität in der Klasse zu etablieren.
- Das grundlegende Prinzip lautet: Jedes Kind bekommt das, was es braucht, damit es gut lernen kann.
- Individuelle Förderung sollte daher nicht als Ausnahme oder „Sonderrecht“, sondern als selbstverständlicher Bestandteil guten Unterrichts verstanden und kommuniziert werden.
Transparente Haltung im Klassenalltag
- statt von „Extraaufgaben“ oder „Sonderrechten“ sollte von passenden Aufgaben
besprochen werden.
- Individualisierung wird als normales Unterrichtsprinzip erklärt.
- Gespräche über Fairness und Vielfalt fördern das Verständnis innerhalb der Lerngruppe.
Soziale Integration bewusst stärken
- Begabte Kinder benötigen nicht nur kognitive, sondern auch soziale Unterstützung. Wichtig
ist, ihre Förderung möglichst unauffällig und integriert zu gestalten.
- Möglichkeiten sind zum Beispiel:
- Differenzierung innerhalb derselben Aufgabe (z. B. Zusatzaufgaben, alternative Darstellungsformen, vertiefende
Fragestellungen)
- Lernverträge oder Forscheraufträge, die individuell, aber diskret bearbeitet werden
- Arbeitsphasen mit Wahlmöglichkeiten (z.B. Wochenplan), in denen alle Kinder unterschiedliche Aufgaben bearbeiten.
- Differenzierung innerhalb derselben Aufgabe (z. B. Zusatzaufgaben, alternative Darstellungsformen, vertiefende
Fragestellungen)
- So wird Individualisierung sichtbar normal – nicht als Sonderrolle.
Begleitung des Kindes
- Auch ein begabtes Kind braucht Unterstützung im Umgang mit seiner besonderen Rolle.
- Hochbegabte Kinder sind nicht automatisch leistungsstark oder sozial angepasst. Störverhalten ist kein Zeichen gegen Begabung – entscheidend ist, die Ursachen zu verstehen.
Mögliche Hintergründe können sein:
- Unterforderung? (z.B. Langeweile, zu leichte oder repetitive Aufgaben)
- Überforderung? (z.B. Perfektionismus, Angst zu scheitern, emotionale Überlastung)
- fehlende Struktur oder unklare Erwartungen
- soziale Schwierigkeiten (z. B. Außenseitererfahrung, Missverständnisse mit Mitschülern)
- starkes Bedürfnis nach Aufmerksamkeit oder Anerkennung
- Erst wenn die Hintergründe geklärt sind, können die passenden Maßnahmen greifen.
Was kann helfen?
1. Passende kognitive Herausforderung
- anspruchsvollere, offene Aufgaben (z.B. Denkaufträge, Forschungsfragen, kreative Problemlösungen)
- Compacting: Reduktion von Routineübungen zugunsten vertiefender Aufgaben
- Phasen selbstständiger Arbeit oder kleine Projekte
2. Struktur und Verlässlichkeit
- klare Regeln und transparente Erwartungen
- ruhige, konsequente, wertschätzende Rückmeldungen
- verbindliche Absprachen über Arbeits- und Sozialverhalten
- -> Auch kognitiv sehr starke Kinder benötigen klare Grenzen und Orientierung.
3. Beziehung und Gespräch
- regelmäßige Gespräche mit dem Kind („Ich nehme wahr, dass du dich oft langweilst oder unruhig
wirst. Was würde dir helfen?“
- positive Rückmeldungen gezielt einsetzen – viele hochbegabte Kinder erleben häufiger Kritik als Bestätigung
4. Zusammenarbeit mit den Eltern
- Informationen ernst nehmen, aber deutlich machen: Begabung erklärt Verhalten nicht automatisch
- gemeinsam Strategien zur Förderung von Selbststeuerung, Frustrationstoleranz und sozialer Kompetenz entwickeln
5. Unterstützung hinzuziehen
- Austausch im Kollegium
- schulpsychologische Beratungsstelle oder spezialisierte Beratungsangebote
Grundhaltung
- Ziel ist nicht „Störungen schnell zu beenden“, sondern das Kind wieder in einen konstruktiven Lernprozess zu führen.
- Förderung, klare Struktur und Beziehungsarbeit gehören dabei zusammen.
VI. Fortbildungs- und Unterstützungsmaterialien
Es gibt verschiedene Anlaufstellen, um sich zum Thema (Hoch-) Begabung weiterzubilden.
Lehrkräfte können sich auf unterschiedlichen Ebenen zum Thema Begabungs- und Hochbegabtenförderung fortbilden:
1. ZSL (Zentrum für Schulqualität und Lehrerbildung):
- Referat 50/ Fachberatung Unterrichtsentwicklung
- Fachberaterinnen und Fachberater für Unterrichtsentwicklung
- Unterstützung bei Fragen zu Differenzierung, adaptivem Unterricht und Förderkonzepten
2. LFB-Online (Lehrerfortbildung Baden-Württemberg):
- Landesweite und regionale Fortbildungsangebote
- Kurse in Bad Wildbad
- Regionale „Tage der Hochbegabung“
- Themenspezifische Angebote zur Begabungsförderung
3. KARG-Impulse / Karg-Fortbildungen:
- Impulskreise und Qualifizierungsangebote
- Vertiefende Module zur Entwicklung begabungsförderlicher Schulkonzepte
1. Karg-Situationsanalyse
Die Karg-Situaitonsanalyse ist ein Moderations- und Erhebungsinstrument für Schulen mit dem Ziel, das eigene Begabungsverständnis und bestehende Förderstrukturen systematisch zu reflektieren und weiterzuentwickeln.
Ziele:
- Datengestützte Bestandsaufnahme
- Analyse vorhandener Förderstrukturen
- Identifikation von Entwicklungsbedarfen
- Ableitung konkreter Entwicklungsziele und Handlungsschritte
- Weiterentwicklung hin zu einer begabungsförderlichen Schule
Zielgruppe:
- (Teil-)Kollegium oder schulischen Projektgruppen z.B. im Rahmen eines pädagogischen Tages
Durchführung:
- Moderation durch geschulte Person
- Auswertung und Ergebnissicherung im Anschluss
- Möglichkeit der Begleitung bei der Weiterentwicklung eines schulischen Konzepts zur Begabtenförderung
Kontakt und weitere Informationen, sowie Buchung der Karg-Fortbildungsangebote:
- Referat 53: Begabtenförderung
- E-Mail: begabtenfoerderung@zsl.kv.bwl.de
Für eine vertiefte Auseinandersetzung eigenen sich insbesondere
- Orientierungsrahmen Begabtenförderung Baden-Württemberg (herausgegeben vom Ministerium für Kultus, Jugend
und Sport)
- Materialien der Karg-Stiftung (FAQ-Handbücher): Praxisorientierte Impulse für Unterricht, Schulentwicklung und
Beratung
- Zentrum für Schulqualität und Lehrerbildung (ZSL): Fortbildungsangebote und Handreichungen zur
Unterrichtsentwicklung
- Deutsche Gesellschaft für das hochbegabte Kind (DGhK): Informationsmaterialien für Eltern und Fachkräfte